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Spivakov and Friends

Stephan Hoffmann über das Festival in Colmar und seinen legendären Intendanten Vladimir Spivakov.

 

Vladimir Spivakov feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Jubiläum als Festival-Chef. Er ist Jahrgang 1944, wird nächstes Jahr 70 und sagt, er habe große Lust, auch noch den 26. Jahrgang zu leiten. Widmungsträger ist in diesem Jahr das Festival selbst, also „Spivakov and friends“. Außerdem gibt es ein Sonderkonzert zum 170jährigen Bestehen der Colmarer Synagoge.

 

So klingt es derzeit beim Musikfestival in Colmar: Ein prominentes Werk, in diesem Fall Mendelssohns Violinkonzert, interpretiert von erstklassigen Musikern unter ebenso erstklassigen Aufführungsbedingungen in der Kirche St. Matthieu, die zum Konzertsaal umfunktioniert wurde. 1989, als Vladimir Spivakov die Leitung des Festivals übernahm, war das aus verschiedenen Gründen noch etwas anders.

 

“Erste zwei oder drei Festivalen der Dach von dem Kirche war mit große Löcher…und wann kommt ein Regen, dann die Leute nehmen in dieses Moment ein Umbrella und sitzen und hören zusammen mit Umbrella die Konzerte.”Vladimir Spivakov

 

Vladimir Spivakov ist ein russischer Musiker des Jahrgangs 1944, der zunächst als Geiger, später auch als Dirigent Karriere machte und der sowohl im Musikleben der westlichen Welt wie auch in dem seines Heimatlandes bestens vernetzt ist. Und das hat zur Folge, dass er immer wieder herausragende Talente aus Osteuropa in sein Festival integriert – wie zum Beispiel die Pianistin Anna Vinnitskaya, die bei Rachmaninows Paganini-Variationen über die Tasten fegt, dass man mit dem Hören kaum nachkommt.

 

Das ehemals undichte Kirchendach ist längst abgedichtet; doch das ist nicht der einzige Unterschied zu Spivakovs Anfangsjahren. Weit wesentlicher sind die inhaltlichen Neuerungen, die er einführte. Das Festival existierte nämlich auch schon vor Spivakov.

 

“Karl Münchinger, er hat gespielt nur Barockmusik und nicht weit gekommen. Wir haben auch beginnen mit das, aber schon am ersten Festival, der war gewidmet zu Glenn Gould, der hat gespielt Schönberg, Wagner und verschiedene Sachen…und wir haben hier viel moderne Musik gespielt, auch Gubaidulina, Denissov, Arvo Pärt, Alfred Schnittke…Ich glaube, das ist sehr wichtig, wir haben jetzt Publikum, der weiß Differenz zwischen Albinoni und Stockhausen.” Vladimir Spivakov

 

Der exzentrische kanadische Pianist Glenn Gould hat zwar nicht selber in Colmar gespielt, aber ihm war das erste Festival gewidmet, deshalb stand damals auch Schönberg auf dem Programm. Diese Widmungen gehören gleichfalls zu Spivakovs Neuerungen, die Festival-Programme orientierten sich immer an den Arbeits-Schwerpunkten der jeweiligen Widmungsträger und verhinderten dadurch, dass die Programme allzu sehr ins Beliebige abdrifteten. Im Jubiläumsjahr 2013 ist der Widmungsträger erstmals das Festival selbst und damit Spivakov und seine Ensembles, also die Moskauer Virtuosen und die russische Nationalphilharmonie.
Die Programme, die in den kommenden Tagen zu hören sein werden, orientieren sich allerdings eher an den erprobten großen Komponisten-Namen der Vergangenheit, an Mozart und Beethoven, Schubert, Brahms und Dvorak.